Verloren
Verloren, das war mein erster, spontaner Gedanke, als ich mich dieser Stelle im Karlstal näherte. Und je länger ich die Szene betrachtete, umso stärker verband sich dieser Begriff mit dem Bild vor mir.
Der gleiche Ursprung, der gleiche Stoff und doch anders. Die kleine Eisfläche wirkt in dem Bachlauf wie ein Fremdkörper, obwohl sie doch auch nur aus Wasser besteht.
Es ist kein anderes Eis in der Nähe, sie kann noch eine Weile aus sich heraus, aus der Kälte wachsen. Aber es wird an dieser Stelle nicht ausreichen, um Kontakt zu anderen Eisflächen zu schließen.
Faszinierend, wie etwas, das so ähnlich ist, so einsam, isoliert und verletzlich in dem bunten Tosen des umgebenden Wassers wirken kann.
Gewachsen auf einem Stein im Bachbett steht das Eis letztlich auf verlorenem Posten. Das Wasser strömt gleichgültig, aber stetig zehrend vorbei. Lange wird das Eis nicht standhalten können, die Strömung ist zu stark und zu schnell. Und spätestens dann, wenn es wieder etwas wärmer wird, gibt es überhaupt keinen Halt mehr.
Was anders ist, wird dann mitgerissen und assimiliert.