Schilf Glyphen
Innehalten. Wahrnehmen. Staunen. Da sein.
Ich war in der Erdekaut in Eisenberg. Auch so ein Fleckchen Erde, das ich oft und gerne besuche. Denn es liegt in der Nähe meines Wohnortes und bietet vielfältige Möglichkeiten für die Art von Bildern, nach denen ich suche. Dieses Mal hatte ich Wasser-Spiegelungen im Kopf. Aber gerade als ich dort ankam, verschwand das richtige Licht - und der Wind wurde zu stark.
Das machte aber überhaupt nichts. Denn als ich so am Wasser entlang ging, fielen mir diese Schilfblätter auf, die sich im Wind vor der Wasseroberfläche bewegten.
Sie schwankten hin und her, berührten und überlagerten sich und bildeten dabei Formen. Muster, die mich immer mehr an den Zeichsatz einer unbekannten Schrift erinnerten. Die Ästhetik dieser Glyphen faszinierte mich.
Eine Schrift in der Sprache der Natur, die auf die glatte Tafel des Sees geschrieben wird. Mit jedem Luftzug wurden die Schriftzeichen ausgelöscht und ein neuer Text entstand.
Fließtext. Gechichten fortlaufend ohne Ende, so lange der Wind weht.